Als Stadteinwohner sehnst Du Dich nach mehr Natur in der Stadt: Ständig überall nur Beton vor der Nase zu haben, macht einfach nur depressiv. Und auch für Deine Füße ist es beim Herumlaufen deutlich gesünder, wenn Du nicht immer über Asphalt laufen musst. Aber ist es nicht manchmal gemein, dass wir nicht mal so einfach wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken können, weil wir der Stadtgestaltung ja so ausgeliefert sind? Stop! Kein Grund zum Jammern: Du kannst selbst soooo viel beitragen, auch in Deiner Stadt mehr Natur zu erleben!
Die grünste Stadt Deutschlands
Wenn Du in einer sehr grauen Stadt lebst, wünschst Du Dir vielleicht manchmal, umzuziehen. Irgendwohin, wo es einfach mehr Natur in der Stadt gibt. Denn direkt aufs Land ist auch nicht für jeden gleich die Option … So einfach geht das aber oft nicht mit dem Umzug. Und woher willst Du Dir sicher sein, dass es wo anders so viel besser ist? So ein Urlaubs-Eindruck kann ja auch täuschen! (Nicht umsonst gibt es das Wort „Urlaubsflirt“. Wenn es danach geht, würde ich ja sofort nach Freiburg ziehen … )
Und woran soll man das Grüne nun genau messen: Einfach an den Grünflächen? An der Größe der Parks in Relation zur Stadt oder an dem sogenannten Versiegelungsgrad? Lezterer Messwert ist nur schlau: Man stellt die versiegelten Flächen (Gebäude, Straßen, Parkplätze) in Relation zur vorhandenen Grünausstattung.
Aber was bringt Dir irgendwelche tollen Tabellenergebnisse im Alltag, wenn Du in Hamburg oder München lebst (beide in irgendwelchen Top 5), aber nicht in unmittelbarer Nähe vom Englischen Garten? Und wie viel ist „grün“ wert, wenn sozial und nachhaltig nicht gelebt werden?
Also schiel nicht in die Ferne, das bringt Dir momentan am allerwenigsten. Schau Dich lieber genauer in Deiner eigenen Umgebung um. Wetten, dass Du da manche schöne Ecken einfach noch gar nicht kennst?

Gehe neue Wege
Vor allem Gewohnheiten sind das Tödliche im Alltag. Also tu einfach so, als wärst Du neu in Deiner Stadt: Am einfachsten geht das, wenn Du ab sofort öfter mal einen anderen Weg als sonst nimmst. Steig eine Station früher aus, als Du eigentlich müsstest, und geh den Rest zu Fuß. Oder fahre mit dem Rad eine minimal andere Route, indem Du die Parallelstraßen wählst. Das kleine bisschen mehr Zeitaufwand wird sich lohnen! In den Parallelstraßen läuft im Vergleich zu den Hauptstraßen viel mehr echtes Leben ab …
- Einblicke in bezaubernde Hinterhöfe,
- spielende Kinder und Katzen,
- Menschen, die es nicht so eilig haben,
- vielleicht sogar plötzlich ein lustig plätschernder Bach …
Auch wenn der neue Weg am Ende gar nicht so toll war: Allein, den anderen Weg gewählt zu haben, bedeutet mehr Lebendigkeit für Dein Gehirn und Dein gesamtes Nervensystem. die beien werden es Dir danken!
Frag Google & Co
Ich selbst habe es geschafft, drei Jahre in Augsburg zu leben, ohne mitzubekommen, dass wir den Wittelsbacher Park haben – eine mit 18 Hektar wirklich große Parkanlage, die seit den 1980ern sogar partiell geschützt ist. Keine Ahnung, wie das passieren konnte!
Wie ich den Park endlich entdeckt habe? Ich konnte nicht glauben, dass wir in Augsburg nicht so viel Natur in der Stadt haben, und habe ganz klassisch auf Google Maps nachgeschaut und die Stadt ganz klein gezoomt, um zu schauen, wo die größten grünen Flecken sind. Oder Du bist noch fauler und suchst in Deiner Karten-App, KI oder google einfach nach „Park _____ [Name Deiner Stadt]“.
Oder – wooha! – Du gehst auf gut Glück los und erkundest die Stadt einfach so zu Fuß oder mit dem Rad und lässt Dich treiben! Vielleicht lernst Du da nicht den besten Park der Welt kennen, aber neue Leute? Auf jeden Fall freuen sich Deine Synapsen über neue Eindrücke, siehe oben.
Besuch in Botanischen Gärten & Zoos
Über die politische Korrektheit von Zoos kann man gewiss diskutieren. Wegdiskutieren lässt sich aber kaum, wie entspannend es ist, Tieren zuzusehen. In München Hellabrunn kannst du Dich direkt in eine Außenanlage setzen, in der die lustigsten, buntesten Vögel frei herumfliegen. (Also fast frei, denn ein Netz braucht es darüber natürlich doch noch.)

Wenn Du das gar nicht magst, gibt es ja immer noch Botanische Gärten. Da musst Du aber auch unter Umständen damit leben, dass dort Schmetterlinge sind!
In Blumenläden & Gartenzentren „stöbern“
Oft reicht schon ein Ausflug in einen Blumenladen, um sich herrlich zu entspannen. Du musst ja auch gar nicht etwas kaufen, genieß die Atmosphäre einfach! Um nicht blöd aufzufallen, kannst du ja immer noch mit einem Einkaufswagen herumlaufen.
Und wenn Dir eine hübsche Pflanze auffällt, nimm sie natürlich mit!

Deine Wohnung begrünen
Nicht nur Natur in der Stadt tut gut, sondern Natur in der eigenen Wohnung! Schon eine Pflanze in einem Zimmer reicht, dass das Raumklima wortwörtlich besser wird. Vor allem Grünlilien und Efeututen tragen effektiv dazu bei, dass das real physische Raumklima verbessert wird.
Zudem sind Efeututen auch sehr dankbare Pflanzen, wenn Du keinen expliziten grünen Daumen hast. Weitere gute Anfänger / Unkaputtbar-Pflanzen sind:
- Bogenhanf
- Glücksfeder
- Monstera Deliciosa
Alle für Dich getestet – sie leben bis heute!
Efeututen kannst Du auch ganz wunderbar selbst mit Ablegern vermehren. Also pack nicht von Anfang an Deinen Einkaufswagen mit hunderten davon voll! Das brauchst Du gar nicht, wenn Du ein bisschen Zeit hast, die Pflänzchen selbst zu ziehen …
Deinen Balkon aufmotzen
Wenn Du wie ich das Glück und einen eigenen noch so kleinen Balkon hast, solltest Du Deinen Balkon auf jeden Fall effektiv zum Entspannen, Genießen und Begrünen nutzen und nicht als Abstellfläche für Getränkekisten und Wäscheständer! Für sowas gibt es andere Lösungen (z.B. Wäscheständer, die Du an der Badewanne aufstellen kannst oder ausklappbare Wäscheständer, die keine Stellfläche auf dem Balkon benötigen).
Bevor Du Dir irgendwelche Pflanzen holst, schau auf jeden Fall, in welche Himmelsrichtung Dein Balkon zeigt. Und hol Dir dann ganz gezielt Pflanzen dafür bzw. lass Dich im Gartencenter beraten. Wobei die Pflanzen ja schon dadurch, wo sie stehen, verraten, ob sie für Deinen Balkon tauglich sind: Was im Gartencenter den ganzen Tag in der knallenden Sonne überlebt, kann auch auf einen Südbalkon. Mit der Methode fahre ich seit Jahren gut, ohne mich lange informieren zu müssen. Und wenn Du „Deine“ Pflanzen weißt, kauf die immer wieder nach – oder besser gleich winterharte Sorten, die Du über mehrere Jahre verwenden kannst. Bei mir ist schon ganz viel im neuen Jahr wieder was geworden, obwohl ich es im Winter überhaupt nicht gegossen oder nach innen in die Wohnung geholt habe. Lass die Töpfe über den Winter einfach wie sie sind auf dem Balkon – dann können sich auch die Vögel was für ihre Nester holen. So trägst Du selbst aktiv zu mehr Natur in der Stadt bei.
Guerilla-Gardening
Mit ein paar Pflanzensamen in Deiner Jackentasche könntest Du in den Frühlingsmonaten theoretisch ganz einfach selbst zu mehr Natur in der Stadt beitragen. Natürlich ist das eine Straftat, zu der IOL auf gar keinen Fall aufrufen will. So ein paar Blümchen an sonst ungenutzten trostlosen Ecken gehören aber auch wirklich verboten und sind auf keinen Fall zu unterstützen!
Grüne Wandfarbe
Wenn alle Stricke reißen, weil Du viel reist und Du niemanden hast, der nicht mal Deinen Kaktus gießen kann: Streiche ein Zimmer oder wenigstens eine Wand in einem schönen Grün. Dank der psychologischen Wirkung von Farben wirkt das genau so beruhigend, wie wenn Du echte Pflanzen hast.

Wenn Du den Effekt noch verstärken willst, besorg Dir Aromaöle für Deine Lampe oder Diffuser:
- Bergamotte (stimmungsaufhellend)
- Lavendel (beruhigend)
- Eukalyptus (klärend)
Achte auf jeden Fall auf Bio-Qualität und zahl lieber die 1, 2 Euro mehr – denn Du atmest das Zeug ja auch ein.
Was ist mit Plastik-Pflanzen?
Auch wenn die heute echt überraschend gut aussehen können: Lass es lieber.
Du holst damit einfach ein Plastik-Produkt nach Hause, das nie wieder vernünftig recycelt werden kann, weil da alle möglichen Plastiksorten zusammengemischt werden.
Man weiß nie genau, wie viele Mikro-Plastik-Partikel beim Abstauben abgehen und dann in Deiner Wohnung oder gar in Deinen Lungen herumfliegen. Willst Eu das?
Fazit: Natur in der Stadt geht easy!
Selbst in der kleinsten Mietwohnung kannst Du eine Wand Grün streichen oder Dir einen pflegeleichte Efeututensammlung anlegen. Mit einem Balkon bist Du zweifelsohne im Vorteil – wenn Du ihn auch wirklich effektiv nutzt. Achte hier nur darauf, wirklich effizient Pflanzen zu kaufen und nicht in einer Hauruck-Aktion alles zu begrünen, nur damit es Dir innerhalb einer Woche schon wieder wegstirbt.
Am wichtigsten ist aber einfach doch, mit offenen Augen nicht nur durch Deine Stadt, sondern durchs ganze Leben zu gehen: Trostlos und unlebendig erscheint einem die eigene Stadt erst dann, wenn man sie aufgegeben hat. Wenn jeglicher Entdeckergeist verloren gegangen ist. Erkunde also Deine Stadt! Und selbst wenn Du am Schluss Deiner Reise weißt, dass alles ein hässlicher, grauer, hoffnungsloser Beton-Klotz ist: Dann weißt Du es sicher und Du hast währenddessen genügend Erlebnisse und eigene Erfahrungen gesammelt. Und der Trost: Aus jeder Stadt führt irgendeine Straßen und Bahnlinien hinaus …
Um eine grüne Stadt zu erleben, darfst Du selbst nie das Grüne hinter Deinen eigenen Ohren verlieren: Bleib neugierig. Lebendig. Hab Spaß, Deine Umgebung zu entdecken!
Viel Spaß dabei ッ
